Der deutsche Verein “Nueva Vida en Paraguay” kümmert sich um die Füße paraguayischer Kinder.
- Von Sarah Huber -
„Die erste Regel lautet: ‚Sei nicht traurig!‘“, beginnt Ariel Romero. Der 17-jährige Paraguayer steht vor einer Schar Kinder, die sich im Schatten auf dem Hof einer kleinen Schule in einem der ärmeren Stadtviertel von Asunción zusammengefunden haben. Er ist freiwilliger Helfer der anglikanischen Kirche in Asunción und ist heute zu Besuch bei den Kindern des Comedor „Carrita feliz“. Hier bekommen die Kleinsten der Armen jeden Samstag ein Mittagessen, das aus Spendengeldern der anglikanischen Kirche finanziert wird. Die Kinder kennen Ariel schon lange. „Das ist mein Neffe“, sagt er und zeigt auf einen kleinen Jungen, der sich an seinen Arm gehängt hat. Denn Ariel selbst ist in einem dieser Viertel aufgewachsen. Auch er hat kaum mehr als die Kinder, für die er sich einsetzt. Trotzdem oder gerade deshalb zeigt er unglaublich viel Engagement. So hat er gemeinsam mit dem Verein „Nueva Vida en Paraguay“ für diesen Samstag eine Sportveranstaltung organisiert. Dieser Verein, gegründet von einer Deutschen, Karin Rahmig, hat von einem deutschen Sportartikelhersteller eine Spende von 100 Paar Schuhen und 30 Bällen erbeten. Ein Teil der Spende geht an die Kinder von „Carrita feliz“. „Seit dem Erhalt der Spende im Oktober 2008 bis zur Ankunft des Containers, der die Ware aus Deutschland auf dem Seeweg mitbrachte, sind mehrere Monate ins Land gegangen“, berichtet Rafaela Rahmig, Vertreterin von „Nueva Vida“ in Paraguay. „Hier muss man einfach manche Verspätungen hinnehmen“, ergänzt sie schmunzelnd. Der Transport wurde gemeinsam mit dem Büro Alice Neufeld & Asociados und der selbstlosen Hilfe eines deutschen Einwanderers organisiert.
Nachdem die wichtigsten Regeln klar sind und ein gemeinsames Gebet gesprochen, kann das Spiel beginnen. Ariel und die derzeitige Praktikantin von „Nueva Vida“, Vanessa Holly haben so einiges vorbereitet. Für jede Altersgruppe gibt es ein angemesses Spiel. Die Kleinsten beginnen mit einem Suchspiel. Die schnellste Gruppe gewinnt. Währenddessen müssen die etwas Älteren einen Bibelspruch aus dem Buch Salomo erraten oder sich beim Eierlauf bewähren. Das Highlight ist allerdings das Fußballturnier, an dem alle Gruppen teilnehmen. Noch barfuß, auf hartem Teer, in praller Sonne kämpfen die Kinder, als ginge es um ihr Leben. „Seguí, seguí“, „weiter so“, tönt es vom Spielfeldrand. Fußball vermag doch in allen Welten zu begeistern und die Gemüter zu erhitzen. Bevor es dann allerdings zur Preisverleihung kommt, wird das Mittagessen serviert. Die zehn Mitarbeiter haben ein köstliches Mahl zubereitet. Das Geld dafür wird jeden Sonntag während des Gottesdienstes gesammelt. Abgekämpft schlingen die Kleinen ihre Nudeln herunter, denn sie können es kaum abwarten, die heißerstehnten Preise endlich entgegenzunehmen. Für die kleinen gibt es allerlei Süßes und Spielzeug, die Größeren probieren ihre neuen Schuhe an. Als Dankeschön dürfen sich zum Schluss auch die Helfer des „Carrita Feliz“ noch Schuhe aussuchen. Auch sie haben weniger als wenig.