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Markenmode made in Paraguay

Freitag, 2. Oktober 2009 - 19:51
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„Pombero“ verwebt paraguayische Textiltradition und Design von Welt. In liebevoller Heimarbeit werden die stilvollen Kleidungsstücke dieses Modelabels mit Kult-Potential hergestellt, die nur darauf werten den Weltmarkt zu erobern.

Von Tabea Vorwergk

Ein kühler Wind treibt tosende Wellen über das Wasser. Die Sonne glitzert auf der Meersesoberfläche. Ein junger Surfer steht am Ufer und lässt seinen Blick hinaus aufs Meer schweifen. So idyllisch soll sie sich zugetragen haben, die Geburtsstunde von Pombero, einer paraguayischen Designermarke, die sich seit nunmehr sieben Jahren auf dem paraguayischen  Markt behauptet.
Es war Rodrigo Flaco, der damals an der us-amerikanischen Küste stand und aufs Meer hinaus schaute. An diesem Tag trug er ein für Paraguay so typisches ”Ao Poi”-Shirt, mit dem er offenbar am Strand Eindruck machte. Schließlich verschenkte er das traditionelle Baumwollshirt an seine Bewunderer. Mit der Gabe des buchstäblich “letzten Hemdes “ war die Idee eines paraguayischen Klamottenlabels geboren, das die traditionelle „Ao Poi“-Webkunst von nun an in die Welt hinaus tragen sollte.
Die Anfänge des Labels sind nach sieben Jahren zu einer schönen Legende verschwommen. Die Erfolge die Pombero seitdem feiert, sind jedoch mehr als nur Legende. Das Designerlabel unterhält sechs Läden in allen größeren Städten des Landes. Erste Verträge sind auch mit Brasilien geschlossen. Das internationale Geschäft soll in den kommenden Monaten und Jahren Stück für Stück vorangetrieben werden.
Etwa zwei Jahre hatte das Unternehmen gebraucht, um mit einer kleinen Gruppe traditioneller Textilkünstler aus dem paraguayischen Inland eine Produktlinie zu kreieren, mit der das Label ins hiesige Modegeschäft einsteigen konnte. Die Stücke von Pombero bestehen ausschließlich aus Baumwolle. Alle weisen charakteristische Merkmale der einheimischen “Ao Poi”-Webtechnik auf. Das ist ihr Markenzeichen. Typisch sind dabei auch Details wie handgemachte Stickereien in verschiedenen Farben, die zum Teil nach jahrhundertealten Stickmustern angefertigt werden. Ihren Ursprung haben die Stickereien in der Stadt Guaria. Die Muster seien von Naturmotiven, besonders solcher der Flora inspiriert, versichert das Modeunternehmen und mit ihm seine traditionellen Stoff-Künstler. Bis ein Hemd in allen seinen Einzelheiten fertig produziert ist, vergehen etwa vier Arbeitstage. Von der Herstellung der Stoffe, über Designentwürfe bis zur Dekoration der Materialien gehen alle Schritte in Handarbeit von Statten. Maschinell werden die Stoffe schließlich zu Hemden, Sommerkleidern und Wickelblusen verarbeitet.
Die Kleider der Modemarke wirken allesamt schlicht und dennoch schick. Inzwischen arbeitet Pombero auch mit internationalen Designern zusammen. Dem Label ist es gelungen, einen Stil zu kreieren, der traditionelle Kunst auch für die Moderne tauglich macht: Pombero kennzeichnen Schnitte, die die paraguayischen Folklore-Materialien fit für die Gegenwart und fit für den internationalen Modemarkt machen.
Mit einer neuen Produkt-Linie hält das Label unverändert am paraguayischen Kunsthandwerk fest, führt aber eine neues Material in sein Angebotsspektrum ein: Leder. Schon jetzt hat Pombero eine Reihe handgefertigter Lederassecoires im Handel und wird dieses Geschäft auch weiterhin fördern.
Pombero hat sein Image geschickt vermarktet. Als Hüter handwerklicher Bräuche sowie Stütze und Förderer der Einheimischen in Arbeit, Bildung und Handel profiliert sich die Modemarke unter den Augen seiner Kunden. Die Ressourcen des Landes, seien es Naturmaterialien wie pflanzliche Farbstoffe oder natürliche Textilphasern, als auch jahrhundertealtes Wissen der Indígenas über deren Verarbeitung seien die fundamentalen Säulen des Unternehmens und gleichzeitig Basis für die Entwicklung paraguayischer Gemeinden, proklamiert Carmen Kremer, PR-und Marketing-Verantwortliche des Modelabels. In der Region um Villa Rica hat Pombero eines seiner Produktionszentren. Verstreut auf etliche Dörfer arbeiten dort über 1000 Handarbeiter in ihren Häusern. Es sind fast ausschließlich Frauen, die die blanken Stoffbahnen aufwendig besticken. Mütter, Töchter, Tanten, Cousinen- in manchen Häusern erwirtschaften bis zu sieben Frauen ihr Familieneinkommen bei Pombero. Seit 5 Jahren ist das Label eine der Hauptarbeitgeber der Region. In den großen Familienverbänden kommen durchschnittlich knapp ein Drittel der Einnahmen aus Pombero-Kassen.
Tiefer im Inland arbeitet Pombero mit dem Stamm der Nivacle-Indianer zusammen. Sie helfen dem Unternehmen vor allem neue Materialien für ihre Kleidungsstücke zu erschließen. Neben Baumwolle verarbeitet Pombero auch unbekannte Textilphasern, die aus dem paraguayischen Xerophyte-Wald gewonnen werden. Aus Früchten und Blättern der ansässigen Flora entstehen vor allem neuartige Färbemittel.
Nicht nur Materialien und Handwerk sind tief mit Paraguay verwurzelt. Ebenso erinnert der Name des Labels an altväterliche Bräuche . Den nackten, rachsüchtigen Kobold „Pombero“ umspinnt eine mystische Guaraní-Legende. Als Verteidiger der Mannesehre und Schützer der Tiere lebt „Pombero“ im dichten Urwald, wo er Menschen das Fürchten lehrt, die seinen geliebten Wald bedrohen oder ihn gar persönlich beleidigt haben. „Pombero“ bestraft Jäger, die die wilden Tiere ausrotten, vertreibt Räuber, die den Wald abholzen und schwängert Frauen, die öffentlich über ihre Gatten lästern. Mit Tabak- und Honiggaben versuchen die Menschen den launischen Gnom zu besänftigen. Wem „Pombero“ wohl gesinnt ist, der darf auf reiche Ernten und fette Beuten hoffen. Ein explosives Persönchen ist der kleine Gnom, der sich als Frauenjäger und Naturhüter in den Köpfen der Guaraní eingenistet hat. Seine Popularität kommt nun auch dem Markenlabel zu Gute.
Es ist eine interessante Mischung, für die Pombero steht- eine Mischung aus Tradition und Moderne, eine Mischung aus Spiel, Kunst und Sachlichkeit.
Zum Umdenken wolle man beitragen, das Leben entschleunigen, den Genuss proklamieren, so beschreibt Rodrigo Flaco die Philosophie seines Unternehmens. Das mag pathetisch klingen, doch das Konzept geht auf. Stetig wachsende Abnehmerkreise im In-und Ausland bestätigen Flaco: Pombero ist auf dem richtigen Kurs.

Vertretung von Pombero in Deutschland:
Karin Rahmig
Lindelbrunnstr. 4
76767 Hagenbach
07273/800365

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